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title: "Naturschutzgroßprojekt Kellerwald"
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Naturschutzgroßprojekt Kellerwaldregion

 

Das Naturschutzgroßprojekt

Mit dem „Förderprogramm zur Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ beteiligt sich der Bund an Naturschutzvorhaben, die im internationalen Vergleich beispielhaft das Engagement des Naturschutzes in Deutschland belegen.

**Im Naturpark Kellerwald-Edersee sollen einzigartige Landschaftselemente mit einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt unserer Nachwelt erhalten bleiben.** Die Naturschutzmaßnahmen werden zur nachhaltigen Sicherung in einen Kontext zur umweltverträglichen, integrierten Regionalentwicklung und sanften, touristischen Erschließung gestellt werden. Seit Projektbeginn tragen sie zur Wertschöpfung in der Region bei.

 

Übergeordnete Ziele 
des Naturschutzgroßprojekts

 

- Dauerhafte Sicherung des Arten- und Lebensraumpotenzials des Gesamtgebietes als Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland
- Erhaltung und Entwicklung einer großräumig-funktionalen Biotopvernetzung im Naturpark in Anknüpfung an Nationalpark und NATURA 2000-Gebiete
- Sicherung und Entwicklung der Funktionen des Naturhaushaltes einer typischen Buchenwaldregion
- Beispielhafte, naturschutzgerechte Waldentwicklungen auf differenzierten Standorten mit ausreichender Flächengröße
- Verbesserung der ökologischen Qualität der Gewässer und ihrer Auen durch die Zulassung natürlicher Entwicklungsabläufe und die Durchführung gezielter Maßnahmen zur Gewässerentwicklung

- Erhaltung und Entwicklung wertvoller Grünlandbestände im Offenlandbereich und in den Waldwiesentälern
- Entwicklung eines beispielhaften Zusammenwirkens von Naturschutz und relevanten Nutzern wie Land-, Forst und Wasserwirtschaft, Erholung u. a.
- Entwicklung eines naturschutzgerechten Bewirtschaftungskonzeptes für den Offenlandbereich mit den jeweiligen Landnutzern
- Naturschutzfachliche Optimierung der Grünlandbewirtschaftung, Extensivierung unter Verzicht bzw. Reduzierung von Düngung, Kalkung und des Einsatzes von Pflanzenbehandlungsmitteln
- Sicherung und Entwicklung der im Projektgebiet vorhandenen, besonders wertvollen Lebensraumkomplexe

 

Das Naturschutzgroßprojekt soll nicht nur bestimmte Arten und Lebensräume 
schützen und fördern, sondern diese auch den Menschen zugänglich machen.

Um in der Region auch langfristig über das Naturschutzgroßprojekt zu informieren, wurden verschiedene Informationsmöglichkeiten geschaffen:

 

 

**Erleben**

Im Kerngebiet „**Hoher Keller**“ wurde mit allen Beteiligten eine Konzentration der Besucher und Besucherinnen auf eine Auswahl von ausgeschilderten (Rund-) Wanderwegen abgestimmt. Diese Erschließung über zwei Wanderparkplätze mit entsprechenden Informationstafeln soll zu einer Beruhigung des übrigen Waldgebietes beitragen. Entlang der Wege, insbesondere im Gratbereich, informieren weitere Tafeln über die seltenen Arten und Biotope, ebenso entlang des angelegten Wanderwegs „**wildromantisches Urfftal**" entlang der Urff. Knapp unterhalb des Wüstegartengipfels wurde ein ca. 800 m langer **Moorpfad** durch einen Moorbereich angelegt, der sich gut in die bestehende Wanderwegestruktur eingliedert.

**Informieren**

Für eine **mobile Informationsarbeit** wurden **drei Bauwagen** (Zwei Kellerwaldwagen und ein Schäferwagen) aus Holz angeschafft, die auf Festen und Messen intensiv zum Einsatz kommen. Zwei der Wagen sind frei zugänglich und können an verschiedenen Standorten im Naturpark und geeigneten Projektorten platziert werden. Im „**Schäferwagen**“ sind Informationen zur Schäferei und ihrer historischen Bedeutung für den Naturschutz zusätzlich in einem Buch dargestellt.

**Entdecken**

In der  als Teil des Kerngebiets „**Frankenau und Wesetal**“ wurden in Kooperation mit dem Archeverein Frankenau der **Archepfad** angelegt. Der Pfad stellt die Bedeutung der Offenlandbiotope und den Erhalt von alten Haustierrassen, der sich die Region verschrieben hat, dar. Mit einem anschaulichen Faltplan zur Archeregion und zusätzlichen Tafeln entlang des Weges sind die Wege selbstständig erlebbar. In der frei zugänglichen und kindgerecht gestalteten Ein-Raum-Ausstellung Kultur-Arche, welche in Kooperation mit dem Archeverein und der Stadt Frankenau gebaut wurde, können die Besuchenden weitere Informationen zu extensiver Grünlandbewirtschaftung und alten Nutztierarten erhalten.

 

Rückblick

 

Träger

Die Trägerschaft für das Naturschutzgroßprojekt haben wir, der Zweckverband Naturpark Kellerwald-Edersee.

Die Durchführung des Naturschutzgroßprojektes erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Nationalparkamt Kellerwald-Edersee, HessenForst und dem Verein „Region Kellerwald-Edersee e.V.“, der die Regionalentwicklung koordiniert. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) unterstützen das Naturschutzgroßprojekt fachlich und finanziell.

Zahlreiche Vertreter und Vertreterinnen der Naturschutzverbände, der Landwirtschaft, des Forstes und der Verwaltungen wirken zusätzlich an dem Projekt mit.

Finanzierung

Während der Förderphase von 2009-2018 wurden 65 % der Kosten vom BfN und 25 % vom HMUKLV getragen. Die restlichen 10 % mussten als Eigenmittel vom Zweckverband aufgebracht werden. In der Förderphase wurden insgesamt 6,6 Mio. ausgegeben.

Seit 2018 werden die Maßnahmen des Naturschutzgroßprojektes vom HMUKLV über verschiedene Naturschutzgelder (z.B. Natura2000-, Biodiversitäts- und HALM-Mittel) finanziert und von den Landschaftspflegeverbänden und Naturschutzbehörden umgesetzt. Die extensive Grünlandbewirtschaftung wurde in die Förderung "Hessische Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen" (HALM) integriert.

Projektteam

Bis 2018 oblag die administrative Projektleitung Rainer Paulus, Geschäftsführer des Zweckverbands Naturpark Kellerwald-Edersee und seinem Verwaltungsteam sowie die fachliche Projektleitung Achim Frede, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung im Nationalparkamt Kellerwald-Edersee. Unterstützt wurde er von Carsten Müller als Projektbetreuer.

Mit dem Auslaufen der Förderphase wurde eine Arbeitsgruppe für die langfristige Sicherung des Naturschutzgroßprojektes gegründet, die von Kristin Gampfer, seit 2019 Geschäftsführerin des Zweckverbandes, koordiniert wird. Der Arbeitsgruppe gehören, neben dem Naturpark, Vertreter\*innen der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde, des Landschaftspflegeverbands Waldeck-Frankenberg, des Nationalparks und des Amts für Landwirtschaft an.

 

2005-2008

Erarbeitung eines Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL) und einer sozioökonomischen Studie

Der Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) dient zur naturschutzfachlichen Erarbeitung von Maßnahmen, die in der Phase II des Naturschutzgroßprojektes zur Umsetzung gelangen.

Inhalt des PEPL sind die Erhebung des IST-Zustandes in den Projektkerngebieten über eine flächendeckende Biotopkartierung sowie Erhebungen zu ausgesuchten Indikatoren (u.a. Vögel, Fledermäuse, Tagfalter, Pilze, Moose etc.). Unter Zugrundelegung dieser Erhebungen wurden unterschiedliche Wertigkeiten, Beeinträchtigungen, Entwicklungspotenziale und konkrete Maßnahmen mit Prioritäten zur Durchführung für die Einzelflächen in den Projektkerngebieten erarbeitet.

Begleitend zum Pflege- und Entwicklungsplan wurde eine sozioökonomische Studie erstellt. Sie zeigt Auswirkungen, Chancen und Risiken des Naturschutzgroßprojektes für Mensch und Natur in der Region auf. Die geplanten Naturschutzmaßnahmen sollen außerdem zur nachhaltigen Sicherung in einen Kontext zur umweltverträglichen, integrierten Regionalentwicklung und sanften, touristischen Erschließung gestellt werden. Sie sollen zur Wertschöpfung in der Region beitragen.

2009-2018

Umsetzung des Pflege- und Entwicklungsplans

Ende 2009 wurde die Umsetzung einer Auswahl der im PEPL vorgeschlagenen Maßnahmen bewilligt. In 52 Gebieten, sogenannten Maßnahmenkomplexen, sollen in den nächsten Jahren naturschutzfachliche Maßnahmen umgesetzt werden, begleitet von einer umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit.

Im Jahr 2015 wurde die Projektlaufzeit um drei weitere Jahre bis Ende 2018 verlängert.

Mit dem Ende von Phase II wurde Bilanz gezogen, welche Ziele erreicht und welche Maßnahmen umgesetzt wurden.

2019-2039

Langfristige Sicherung der Ergebnisse

Für die langfristige Sicherung (mind. 30 Jahre) der Ziele des Naturschutzgroßprojektes ist als Projektträger der Naturpark Kellerwald-Edersee zusammen mit dem Land Hessen verantwortlich. Verschiedene (Naturschutz-)Behörden und Institutionen arbeiten zusammen, um auch weiterhin Naturschutzmaßnahmen in den Maßnahmenkomplexen umzusetzen. Regelmäßige externe Evaluierungen stellen sicher, dass das Erreichte erhalten bleibt.

 

Kerngebiete und 
Maßnahmen

 

Steilhänge nördlich des Edersees

- Beschreibung
    
    Das Kerngebiet „Steilhänge nördlich des Edersees“ zeichnet sich durch letzte Reste echter Urwälder aus. Die schwer zugänglichen Steilhänge sind geprägt von einem Mosaik aus Eichen-, Buchen- und Hainbuchen-Trockenwäldern, Edellaubholz-Block- und Schluchtwäldern sowie Fels- und Schuttfluren und Blockhalden. Auf über 20 % (209 ha) der Fläche befinden sich Biotope von gesamtstaatlicher Bedeutung (Wertstufe 5). Urwaldreliktarten wie der Eremit (Osmoderma eremita) oder der Veilchenblaue Wurzelhalsschnellkäfer (Limoniscus violaceus) konnten hier überleben und stehen stellvertretend für viele weitere xylobionte Käferarten. Eine botanische Kostbarkeit der Felsfluren ist die seltene Pfingstnelke.
- Maßnahmen
    
    Zur Verbesserung und Erhaltung der Lebensräume wurde im Naturschutzgroßprojekt in Zusammenarbeit mit den großen Waldbesitzern und dem Forstamt Vöhl großflächiger Prozessschutz als Praxismodell zur „Vernetzung und Optimierung von Urwaldstandorten“ umgesetzt. In den überwiegend waldgeprägten Maßnahmenkomplexen lag der Schwerpunkt der durchgeführten Arbeiten auf dem Prozessschutz sowie der Wiederherstellung von naturnahen Waldkomplexen und Sonderstandorten wie Felsfluren. Gebietsfremde Nadelbäume wurden, teilweise aufgrund des steilen Geländes mit aufwendiger Spezialtechnik, entfernt und Waldbestände entsprechend der potentiellen natürlichen Vegetation entwickelt.
    
    Die Entwicklung und Förderung einer extensiven Grünlandbewirtschaftung von Magerrasenbiotopen auf basenreichen Standorten spielte insbesondere in den Offenland-Maßnahmenkomplexen, aber auch in Maßnahmenkomplexen mit einem anteiligen Offenlandanteil eine wichtige Rolle. Hier bildeten Entbuschungsmaßnahmen und Vereinbarungen mit Bewirtschaftern den Schwerpunkt der Arbeiten.
    
    Im Herbst 2020 wurde das gesamte Kerngebiet als Teil des  ausgewiesen.

 

Nationalpark Kellerwald-Edersee

- Beschreibung
    
    Auf einer Fläche von 7.688 Hektar schützt der Nationalpark einen der letzten großen und naturnahen Rotbuchenwald-Bestände Mitteleuropas. Neben den bodensauren Buchenwäldern, sind vereinzelt trockenwarme Extremstandorte, Felsen und Blockhalden zu finden. Die Auszeichnung in 2011 der UNESCO als Weltnaturerbe „Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands" für Teilbereiche des Nationalparks, der hohe Alt- und Totholzanteil und die große unzerschnittene Fläche heben die Bedeutung des Gebiets zusätzlich hervor.
- Maßnahmen
    
    Zu Beginn der Umsetzungsphase des Naturschutzgroßprojekts wurden im Kerngebiet „Nationalpark Kellerwald-Edersee“ umfangreiche gewässerökologische Maßnahmen durchgeführt. Der Schwerpunkt lag auf hydromorphologischen Maßnahmen zur Verbesserung der Durchlässigkeit der Mittelgebirgsbäche Banfe, Keßbach und Heimbach. Wegedämme und Verrohrungen wurden entfernt und stattdessen Furten und Holzbrücken angelegt sowie angrenzende Auen modelliert oder vernässt. Mit der Verbesserung der Durchgängigkeit der Fließgewässer erhöht sich die Vernetzungsfunktion der Fließgewässer als lineare Landschaftselemente. Als wertvolle und im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführte Arten profitieren insbesondere das Bachneunauge und die Groppe von den Maßnahmen.
    
    Weiterhin wurden im Maßnahmenraum „Pfingstnelken-Felsrasen am Bloßenberg“ die vorgesehenen Maßnahmen zur Förderung der Pfingstnelken-Felsfluren (nationale Verantwortungsart) und Trockenwälder (Habichtskraut-Traubeneichenwald) vollständig umgesetzt und werden durch den Nationalpark auf Nachbarbereiche ausgeweitet. Für die Entnahme der gepflanzten oder natürlich angeflogenen Nadelgehölze wurde teilweise Spezialtechnik angewendet und die Bäume mittels eines Helikopters schonend aus den Steilhängen entfernt.
    
    Für den Maßnahmenraum am „Fahrentriesch“, einem mit historischen Hutebäumen durchsetzten Offenlandkomplex, in Kombination mit den im Grenzbereich liegenden Altenlotheimer Heiden konnte die Durchführung der Entwicklungsmaßnahmen (Freistellung/Entbuschung, Plaggenhieb und Beweidung) zum Teil mit ehrenamtlichen Unterstützer\*innen umgesetzt werden, während die Finanzierung und Planung der Maßnahmen über das NGP gewährleistet wurde.
    
    Insgesamt konnten die vorgesehenen Maßnahmen im Nationalpark nahezu vollständig umgesetzt werden. Die Vergrößerung und Regeneration der Triescher wurde durch ein Hessisches Arnika-Artenschutzprojekt ergänzt.

 

Frankenau und Wesetal

- Beschreibung
    
    Das Kerngebiet „Frankenau und Wesetal“ unterscheidet sich mit seinem großen Anteil an Offenland deutlich von den anderen drei Kerngebieten.
    
    Die abwechslungsreiche Kulturlandschaft zeichnet sich durch zahlreiche Talgründe mit naturnahen Wasserläufen, und einem hohen Anteil an extensiv genutzten Wiesen und Weiden aus. Die höchste Wertigkeit erreichen der gut strukturierte Wesebach und ein Feuchtwiesenkomplex im Weidengrund aufgrund seiner faunistischen und floristischen Ausstattung. Silikatmagerrasen und Heiden mit Entwicklungspotenzial bereichern den Wert des Naturraums.
    
    Borstgrasrasen, Wacholderheiden, Feuchtwiesen und Hecken tragen zu der guten Strukturierung des Fördergebiets bei. Einzelne Waldkomplexe mit wertvollen Quellen, Feucht- und Auewäldern, Blockhalden und Felsklippen sowie einzelnen Resten ehemaliger Nutzungsforme wie Nieder-, Mittel-, und Hutewaldbewirtschaftung ergänzen die Offenlandbiotope.
- Maßnahmen
    
    Als bäuerliche geprägte Mittelgebirgslandschaft lag der Schwerpunkt der Maßnahmen in der Entwicklung bzw. Förderung von extensiven Grünlandbiotope wie artenreichen submontan geprägten Glatthaferwiesen, Rotschwingel-Magerwiesen, Feucht- und Auwiesen sowie Borstgrasrasen und Heiden. Östlich von Frankenau liegen mehrere Maßnahmenkomplexe, die als „Archelandschaft bei Frankenau“ zusammengefasst werden können. Durch den Ankauf von Flächen im Rahmen der Flurbereinigung konnten in diesem Bereich bereits sehr viele Flächen renaturiert und weiterentwickelt werden. Besonders Entbuschungsmaßnahmen und die intensive Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern der Offenlandflächen bildeten und bilden auch zukünftig große arbeitsintensive Schwerpunkte. Im Offenland ist eine kontinuierliche extensive Bewirtschaftung der Flächen für den Erhalt der Biotope und Arten wichtig und kann daher als nie abzuschließende Daueraufgabe betrachtet werden. Zur langfristigen Absicherung von Pflege- und Nutzungsmaßnahmen sowie Betriebs- und Rahmenstrukturen spielen dabei die Schaffung Hessens erster Arche-Region nach GEH-Standard (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V.) und die Vernetzung mit Regionalentwicklungs- und Wertschöpfungsinitiativen, aber auch die Beratung der Landnutzer eine zentrale Rolle.
    
    Die kleinteiligen Strukturen im Kerngebiet beinhalten zudem einige Waldbereiche und Maßnahmenkomplexe mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Eine Herausforderung bei der Umsetzung stellten die unterschiedlichen Besitzverhältnisse und teilweise mangelnde Bereitschaft der Eigentümer zur Umsetzung der Maßnahmen dar.
    
    Hervorzuheben ist für dieses Kerngebiet die sehr positive Entwicklung im Hinblick auf die Identität und das Bewusstsein der Menschen vor Ort für einen einzigartigen Raum in der Kulturlandschaft. Mit der Gründung und auch Etablierung des Archevereins, des Arche-Pfads und dem alle zwei Jahre stattfindenden Archetag konnte ein nennenswerter Schritt zum Erhalt alter Nutztierrassen getan werden.

 

Hoher Keller

- Beschreibung
    
    Ausgedehnte, buchenreiche Laub- und Mischwälder bestimmen das Bild des mittleren und südlichen Kellerwaldes. Hier sind aufgrund basenhaltiger Standorte anspruchsvolle, teils geophytenreiche Wälder vom Typ “Waldmeister-Buchenwald” (und verwandte Gesellschaften) recht verbreitet und flächenhaft ausgebildet. In eingelagerten Devonkalk-Partien treten im Durchbruch des mittleren Urfftales Orchideen- und Platterbsen-Buchenwälder auf. Die höchste Erhebung des Naturparkes markiert der große, geschlossene Laubwald-Komplex des namensgebenden „Hohen Kellers“. Entlang des markanten Quarzitkamms (Wüstegarten) treten Waldgrenzstadien sowie Zwergstrauchfluren und Sauerhumusrasen auf. Im Hohen Keller finden sich zahlreiche von Quellen, Fließgewässer und Mooren geprägte Feuchtwälder.
- Maßnahmen
    
    Besonders im Staatswald konnten umfangreich Naturschutz-Maßnahmen umgesetzt werden. In den Jahren 2012 bis 2016 wurde im Komplex „Wüstegarten und Grat“ großflächig Fichten entnommen und der Quarzitgrat bzw. Blockhalden freigestellt. Seitdem entwickelt sich ein natürlicher Ebereschen-Birken-Sukzessionswald.
    
    Von 2012 bis 2014 wurde die Renaturierung der Bäche (z.B. Koppbach, Schieferrainsgraben) durchgeführt. Die schrittweise Moor-Revitalisierung wurde in Kooperation mit der Oberen Naturschutzbehörde Kassel und dem Forstamt Jesberg ausgestaltet. Auch die Durchgängigkeit der Urff wurde verbessert. Mit der Anlage eines „Moorpfads“, eines Bohlenstegs und des Wanderwegs „Wildromantisches Urfftal“ sowie der Erarbeitung eines Besucherlenkungskonzepts für den Hohen Keller wurde im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit viel erreicht.
    
    Die im Antrag formulierte „naturschutzoptimierte Waldbewirtschaftung“ auf einer großen Fläche konnte aufgrund der strittigen Definition dieser Bewirtschaftungsform und mangelnden Zustimmung der Waldbesitzer nur schwer umgesetzt werden. Stattdessen wurden jedoch auf einer Fläche von 45 Hektar Prozessschutzflächen gegen Ausgleichszahlung ausgewiesen. Mit den zusätzlich durch das Land Hessen eingebrachten Flächen wurden insgesamt 280 Hektar Prozessschutzflächen eingerichtet.

 

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